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Eine wunderbare, emotionale Erfahrung bei dem Tafel Burgdorf e.V.

 

Am 26.+27.10.2019 öffnet das IdeenReich auf dem Hof Pasemann zum zweiten Mal seine Pforten. Wie im letzten Jahr wird es wieder tollte Aussteller geben mit ihren einzigartigen, handgefertigten Produkten. Handwerk zum Anfassen und Erleben, dass ist es was die Organisatorinnen sich zum Ziel gesetzt haben. Mit den gespendeten Kuchen der Aussteller sollen die anfallenden Kosten gedeckt werden und der Überschuss an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden. So freute sich das IdeenReich Team, im letzen Jahr sogar 400€ der Lebenshilfe Burgdorf überreichen zu können.

 

„Mädels, wen wollen wir durch dieses zweites ideenReich mit Spenden unterstützen?“ … wir haben einige tolle Einrichtungen im Kopf gehabt und am Ende ist die Entscheidung auf die Tafel gefallen. Am letzten Samstag waren wir bei der Tafel vor Ort, um auch vorher schon ein bisschen zu unterstützen ...

 

DER BURGDORFER TAFEL e.V. … ganz unbedarft, neugierig und zugegeben ein wenig naiv sind Lara, Caro und ich am Samstag Mittag zum Team der Tafel im Paulus-Kirchenzentrum in der Südstadt gefahren, um zu helfen. Gegangen sind wir am späten Nachmittag mit einem Gefühlswirrwarr in Kopf und Herz, mit sehr viel Dankbarkeit und dem Wissen, dass wir hier nicht zum letzten Mal waren, um zu helfen.

 

Wir wurden ziemlich unsanft aus unserer kleinen Blase geworfen … unserer eigenen Realität, in der der Kühlschrank übervoll ist … unserer Realität, in der, wenn etwas fehlt, wir es einfach kaufen … unserer heilen Welt, in der wir vergessen, dass genau das für viel zu viele Menschen nicht selbstverständlich ist und dass auch die Arbeit der Ehrenamtlichen nicht selbstverständlich ist.

 

12:00 Uhr … Wir wurden ganz herzlich empfangen – von der bunten Truppe der Helfer und auch schon bei der Ankunft von den ersten Kunden, die auf ihre Registrierung warteten. Nach einer kurzen Einführung standen unsere Namen ruckzuck im Einsatzplan und schon sortierten wir zwischen den anderen Helfern große Ladungen an Lebensmitteln, die die Fahrer immer wieder von spendenden Lebensmittelgeschäften und Ständen des Burgdorfer Marktes brachten. Wir drei schauten uns immer wieder an, fasziniert von dem Hand in Hand arbeiten, von diesem harmonischen, geschäftigen Treiben von Jung bis Alt, der Koordination in diesem spontanen Durcheinander. Niemand weiß, was und wie viel gespendet werden wird, wie viele Kunden sich anmelden, ob es reichen wird. Und tatsächlich … gegen halb zwei war der Raum voll sortierter Lebensmittel und glich einer kleinen Einkaufsstraße.

 

13:30 Uhr … ein kurzes Treffen des Teams im Empfangsraum, in dem sich alle mit Kaffee und Snacks versorgen können – wir mittendrin. Die Koordinatorin bedankt sich bei allen, sagt noch einmal, wer was gleich zu tun hat, wenn sich die Türen öffnen. Wir drei wissen nicht so richtig, was auf uns zukommt, atmen durch und dann wird ein Brief einer Kundin vorgelesen … ein Dankesbrief. Ein Danke für den Joghurt, den sie sich nie leisten könne. Ein Danke für das Brot und die glücklichen Augen ihres Kindes, weil seine Mama ihm einen aufgeschnittenen Apfel in die Brotdose legen konnte, ein Danke für die Hilfsbereitschaft und die Wärme der Helfer der Tafel. Auf so einen Brief waren wir drei emotional definitiv nicht vorbereitet ...

 

14:00 Uhr … jetzt öffnen sich die Türen und die Kunden kommen in der Reihenfolge ihrer Losnummern zum Empfang. Ein Kunde gibt mir seinen Beutel. „Zwei Erwachsene, zwei Kinder, wenn es geht, bitte kein schwarzes Brot“ … was geht, wird möglich gemacht. Und so gehe ich durch die kleine „Einkaufsstraße“ und entsprechend der Infos, die ich habe, packen die Frauen und Männer bei der Milch, beim Fleisch, beim Gemüse, … „meine“ Taschen voll. Ich selbst nehme noch drei Schokoriegel und überlege, ob es wohl das Einzige ist, was die beiden Kinder in dieser Woche naschen werden. Nachdem ich noch helles Brot für die Familie bekommen habe, übergebe ich die Taschen und verabschiede mich von dankbaren Augen.

 

15:30 Uhr … es ist geschafft und ca. 120 Familien (ca. 350 Personen) konnten mit ausschließlich gespendeten Lebensmitteln versorgt werden. Die Erleichterung unter den Helfern ist förmlich zu greifen … alles hat gereicht. Nun geht es mit den vielen helfenden Händen noch ans Aufräumen und nach kurzer Zeit ist den Räumen der Gemeinde nicht mehr anzusehen, welch unglaublicher Einsatz hier für ca. 7 Stunden zum Leben erweckt wurde.

 

16:00 Uhr … wir sind erschöpft … vom Sortieren, vom Tragen der Lebensmittel, vor allem aber emotional von all den Eindrücken. Wahrscheinlich sind wir so überwältigt von der Organisation der Tafel, weil wir uns vorher viel zu wenig damit beschäftigt haben. Und vielleicht sind wir so überwältigt von den Kunden, weil wir von der Bedürftigkeit direkt in der Nachbarschaft viel zu oft die Augen verschließen. Vielleicht sind wir so betroffen, weil wir wissen, dass es manchmal widrige Umstände im Leben sind, der Verlust der Arbeit, ein Lebensereignis, das einen aus der Bahn wirft, Mieten, die zu teuer werden, Armut im Rentenalter … Dinge, die jeden treffen können. Vielleicht macht uns auch das so betroffen. Gleichzeitig hat uns der Tag gezeigt, dass wir auch ohne Geld unterstützen können. Wir können einfach ein bisschen Zeit spenden und mit unserer Tatkraft einen Unterschied machen.

 

Der Burgdorfer Tafel e.V. braucht jeden Samstag ca. 20 Personen, die unterstützen. Informieren kann man sich auf der Webseite www.burgdorfer-tafel.de oder per E-Mail unter burgdorfertafel@gmx.de.

 

Wir hatten im Gefühl, dass die Entscheidung, die Tafel zu unterstützen, gut ist und wissen seit dem letzten Samstag das sie die absolut richtige Entscheidung war …

 

Alles Liebe von Lara, Caro und Susanne